abiweb
online lernen

Die perfekte Abiturvorbereitung
in Biologie

Im Kurspaket Biologie erwarten Dich:
  • 123 Lernvideos
  • 515 Lerntexte
  • 1880 interaktive Übungen
  • original Abituraufgaben

Hardy-Weinberg-Gesetz

synthetische Evolutionsbiologie: das moderne Konzept der Evolutionsbiologie / Variabilität – Herkunft und Nutzen

Mathematisch wird die Zusammensetzung eines Genpools durch das Hardy-Weinberg-Gesetz (HWG) beschrieben. Das HWG betrachtet dabei eine ideale Population. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

o   kein Auftreten von Mutationen

o   Individuen sind für gegebene Umwelt gleich gut geeignet

o   Wahrscheinlichkeit zur Paarung beliebiger Partner gleich groß

o   Population sehr groß

o   Genpool bleibt konstant (Geburtenzahl = Sterbezahl, keine Zu- oder Abwanderung von Individuen)

Zugang zum HWG:

Die Frequenz bzw. das Auftreten von Allelen und Genotypen im Genpool einer Population bleibt dann konstant, wenn keine anderen Faktoren außer Mendel-Segregation oder Rekombination der Allele einwirken. Das heißt, die Vermischung von Allelen bei der Meiose und bei der Befruchtung wirken nicht auf den Genpool einer Population.

Merkmale werden durch das väterliche und das mütterliche Allel bestimmt. Diese können in unterschiedlichen Ausprägungen (Beispiel A für dominantes Allel, a für rezessives Allel) vorliegen.

p + q = 1


Dabei gilt: p: Frequenz des einen Allels (Bsp.: A) und q: Frequenz des zweiten Allels (Bsp.: a)
Die kombinierte Häufigkeit der beiden Allele muss 100 % der Gene einer Population ausmachen!

Wenn p + q = 1, dann kann die Formel umgestellt werden:

p = 1 – q 

q = 1 – p

Die Allele können in unterschiedlichen Genotypen kombiniert werden. Dies sind:

AA für homozygot dominant, aa für homozygot rezessiv und Aa bzw. aA für heterozygot.

p2 + 2pq + q2 = 1


p2 beschreibt dabei die Frequenz des Genotyps AA

2pq die Frequenz des Genotyps Aa oder aA

q2 steht für die Frequenz des rezessiven Genotyps aa.

Die Mathematik zum Hardy-Weinberg-Gesetz hier in der Tabelle zusammengefasst:

Variablendefinition

Formel

Bemerkung

p = Frequenz des dominanten Allels (A)q = Frequenz des rezessiven Allels (a)

 

 

p + q = 1

Die Verteilung der Genotypen, die mit diesen zwei unterschiedlichen Allelfrequenzen entstehen kann, ist:

 AA, aa, Aa bzw. aA

p2 = Frequenz des Genotyps AA


2pq = Frequenz des Genotyps Aa bzw. aA


q2 = Frequenz des Genotyps aa


p2 + 2pq + q2 = 1

Häufigkeitsverteilung der möglichen Allelkombinationen

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen

HWG gezeigt am Beispiel einer Wildblumenpopulation:

80 % aller Genorte zeigen das Allel R, 20 % das Allel r.

Daraus ergibt sich:
0,82 + 2 x (0,8  x 0,2) + 0,22 = 0,64 + 0,32 + 0,04

Die Verteilung der Genotypen sieht wie folgt aus:
64 % RR
32 % Rr oder rR
4 % rr

Vertiefung

Hier klicken zum Ausklappen
Abituraufgabe - HW-Gesetz

Material: Sichelzellgen und Malaria
Malaria wird in feucht-tropischen Klimagebieten von der Mücke Anopheles übertragen. Besonders verbreitet ist Malaria im tropischen Afrika und Südostasien. Die USA hingegen sind malariafrei.

Die Sichelzellanämie ist eine Erbkrankheit, die durch eine Punktmutation im Hämoglobingen (beta-Hämoglobinkette) verursacht wird. Der Basenaustausch im Codon „GAG” zu „GTG” führt im Protein zu einer Veränderung der Aminosäuresequenz. Statt Glutaminsäure wird nun ein Valin eingebaut.

Im 18. Jahrhundert wurden viele Bewohner Tropisch-Afrikas als Sklaven in die USA verschleppt. Die Häufigkeit der überwiegend heterozygoten Merkmalsträger der Sichelzellanämie in ihren afrikanischen Heimatgebieten betrug damals wie heute 25 %, d.h., 75 % sind homozygot gesund! Studien in den USA ergaben, dass von 20 Millionen farbigen Einwohnern (African american; Nachfahren der ehemaligen Sklaven) 50.000 homozygote Träger des Sichelzellgens sind. Diese Krankheit bedarf intensiver Betreuung. Die Lebenserwartung ist mit durchschnittlich 14 Jahren sehr niedrig.

Wie könnte das Sichelzellgen entstanden sein, wie mag es sich verbreitet haben? Diskutieren Sie auf Basis Ihrer Kenntnisse über Evolutionsfaktoren.

Was sagt das Hardy-Weinberg-Gesetz (HWG) aus? Berechnen Sie mit dem HWG die Allelfrequenzen und Phänotyphäufigkeiten in der ursprünglichen Heimat der Sklaven und in den heutigen USA!

Begründen Sie die Veränderung in den Allelfrequenzen (Bezugsland USA). Ist das HWG anwendbar? Nehmen Sie Stellung!

Malaria + Sichelzellanämie

  • Sichelzellanämie ist eine rezessive Erbkrankheit. Liegen beide Allele des veränderten beta-Hämoglobingens (Sichelzellgen) vor, so ist der Patient schwer krank; die Lebenserwartung ist sehr gering. Genotypisch würde dies als aa bezeichnet. Heterozygote Merkmalsträger sind gesund (Aa). Daneben gibt es noch Mitglieder der Population, die kein Sichelzellgen besitzen (AA).
  • Das Sichelzellgen ist eine durch Punktmutation veränderte Variante des beta-Hämoglobingens. Dadurch wird auf Proteinebene eine Aminosäure ausgetauscht. Sichelzellanämie ist ein Sonderfall. Hat eine Erbkrankheit so dramatische Folgen (intensive Pflege, geringe Lebenserwartung), dann wird das Allel mit der Mutation in der Regel „ausverdünnt”; die homozygot Betroffenen haben kaum die Möglichkeit, sich fortzupflanzen, die Verringerung von aa führt auf lange Sicht auch zur Verringerung der heterozygoten Variante Aa.
  • Anders bei der Sichelzellanämie, da sich hier die heterozygoten Aa als resistent gegenüber Malaria erweisen. Legt man eine Karte mit „Vorkommen Malaria” über eine Karte mit „Vorkommen Sichelzellanämie”, stellt man fest, dass die markierten Gebiete einander entsprechen! So hat man im Fall der Sichelzellanämie zwei Tendenzen, die gegeneinander arbeiten: einerseits die schwere Krankheit Sichelzellanämie, andererseits der Schutz vor Malaria durch genau die Mutation, die zur Sichelzellanämie führt. Je höher die Malariagefahr, umso höher ist die Häufigkeit der Sichelzellanämie.

Hardy-Weinberg-Gesetz (HWG)

  • Was ist die Aussage des populationsgenetischen Hardy-Weinberg-Gesetzes?
  • Das HWG beschreibt eine ideale, sich nicht verändernde Population, d.h., weder die Häufigkeiten der Allele noch die Häufigkeiten der Genotypen verändern sich. Ohne Veränderung keine Evolution!!
  • Trotzdem kann das HWG sehr gut „Momentaufnahmen” einer Population zeichnen; soll heißen, die Verteilung der Genotypen bzw. Allele erfassen.
  • Eine Anwendung vom HWG ist die Berechnung des Anteils von heterozygoten Individuen (z.B. bei der Sichelzellanämie die Träger von Aa) bei rezessiven Erbgängen, da heterozygote Organismen von den homozygoten (ohne Sichelzellgen, hier: AA) anhand ihres Phänotyps nicht zu unterscheiden sind.
  • Die Zahlenwerte geben die Phänotypen wieder, Vorsicht, nicht Allele! Das HWG sagt aus, dass die Allelfrequenz in einer idealen Population konstant bleibt. Die relativen Häufigkeiten des dominanten und des rezessiven Allels entsprechen p und q, somit gilt: p + q = 1. Die Häufigkeit der Phänotypen ist (p+q)2 = p2 + 2 pq + q2 = 1.
  • dominant: beta-Hämoglobingen = p (oder A)
  • rezessiv: Sichelzellhämoglobingen = q (oder a)
  • Die Textangabe berichtet von 25 % meist heterozygoten Merkmalsträgern. Dies umfasst sowohl die Gruppe aa als auch Aa; 75 % sind homozygot gesund (also AA). Damit ist p2 bekannt mit 0,75!
  • Die relative Häufigkeit der Gesunden beträgt 75 % damit ist p2 = 0,75, daraus die Wurzel = 0,866.
  • Häufigkeit des Sichelzellgens a ist dann: q= 1 – p = 1 – 0,866 = 0,134.
  • Die Häufigkeit des Genotyps aa entspricht q2 = 0,134 x 0,134 = 0,018.
  • Die Häufigkeit des Genotyps Aa kann berechnet werden über 2 pq = 2 x 0,866 x 0,134 = 0,232.
  • Damit ergeben sich folgende Häufigkeiten: AA: 75 %; Aa: 23,2 % und aa: 1,8 %.
  • Im Text versteckt sich noch eine zweite Angabe: Die Anzahl homozygot erkrankter Menschen in den USA beträgt 50.000 von 20.000.000,
    also q2 = 50.000/20.000.000 = 0,0025 = 0,25 %; damit ist q die Wurzel aus 0,0025 -> 0,05
  • p errechnet sich über p = 1 – 0,05 = 0,95.
  • p2 ist 0,952 = 0,9025 = 90,25 %
  • 2 pq = 2 x 0,95 x 0,5 = 0,095 = 9,5 %
  • Zusammengefasst ergeben sich diese Häufigkeiten: AA (p2): 90,25 %; Aa (2 pq): 9,5 %; aa (q2): 0,25 %
  • Kontrolle:                90,25 % + 9,5 % + 0,25 % = 100 %
                                       0,9025 + 0,095 + 0,0025 = 1

Betrachtet man den Anteil Merkmalsträger in Afrika (25 %) im Vergleich zu den USA (9,75 %), so ist die Häufigkeit in den USA in den letzten 20 Jahren um fast 2/3 zurückgegangen. Grund: Es gibt keine Malaria im Gebiet der USA. Heterozygot zu sein, bietet hier keinen Vorteil.

Das HWG gilt in beiden Fällen nicht, da Selektion herrscht (USA: Merkmalsträger zeigen Symptome, die sich nachteilig auswirken können; Afrika: Merkmalsträger haben Vorteil durch Malariaresistenz). Trotzdem ermöglicht das HWG einen anschaulichen Vergleich der beiden Populationen.

Dieser Inhalt ist Bestandteil des Online-Kurses

Evolution

abiweb - Abitur-Vorbereitung online (abiweb.de)
Diese Themen werden im Kurs behandelt:

[Bitte auf Kapitelüberschriften klicken, um Unterthemen anzuzeigen]

  • Was ist Evolution?
    • Einleitung zu Was ist Evolution?
    • Evolution als Thema im Abitur
    • Variabilität
    • Biodiversität
      • Einleitung zu Biodiversität
      • Aufgabenfeld der Evolutionsforschung
    • Ordnung im Chaos - Systematik und Taxonomie
      • Einleitung zu Ordnung im Chaos - Systematik und Taxonomie
      • Drei Domänen des Lebens
      • Linnés Ordnungssystem
  • Evolutionstheorien – Eine Reise durch die Geschichte der Evolution
    • Einleitung zu Evolutionstheorien – Eine Reise durch die Geschichte der Evolution
    • Lamarck
    • Darwin: Evolution durch natürliche Selektion
    • Dobzhansky und Mayr – Synthetische Evolutionstheorie
  • synthetische Evolutionsbiologie: das moderne Konzept der Evolutionsbiologie
    • Einleitung zu synthetische Evolutionsbiologie: das moderne Konzept der Evolutionsbiologie
    • Variabilität – Herkunft und Nutzen
      • Einleitung zu Variabilität – Herkunft und Nutzen
      • Hardy-Weinberg-Gesetz
      • Abituraufgabe
      • Evolutionsfaktor Selektion
        • Einleitung zu Evolutionsfaktor Selektion
        • stabilisierende Selektion
        • disruptive Selektion
    • Wie funktioniert Artbildung?
      • Einleitung zu Wie funktioniert Artbildung?
      • allopatrische Artbildung
      • sympatrische Artbildung
      • Biologische Isolationsmechanismen
      • Gendrift
    • Was ist Präadaptation?
      • Einleitung zu Was ist Präadaptation?
      • Präadaptation - Wie entstehen Mutationen?
  • Belege der Evolution
    • Einleitung zu Belege der Evolution
    • Fossilien: paläontologische Hinweise
      • Einleitung zu Fossilien: paläontologische Hinweise
      • Geschwindigkeit der Evolution
    • Verwandtschaftsselektion und Gesamtfitness
    • Homologie im Bau von Lebewesen
      • Einleitung zu Homologie im Bau von Lebewesen
      • Analogie
        • Einleitung zu Analogie
        • Homologiekriterien aus Anatomie, Embryologie und Molekularbiologie
      • chemische Evolution
      • Geschichte des Lebens
        • Einleitung zu Geschichte des Lebens
        • biologische Evolution - vom Einzeller zum Vielzeller
          • Einleitung zu biologische Evolution - vom Einzeller zum Vielzeller
          • Endosymbiontentheorie
          • Massensterben und Evolutionsschübe
          • Kontinentaldrift – Massensterben
            • Einleitung zu Kontinentaldrift – Massensterben
            • Artensterben: Umweltveränderungen durch den Menschen
          • Koevolution
        • adaptive Radiation
    • Stammbäume erstellen & verstehen
      • Einleitung zu Stammbäume erstellen & verstehen
      • Drei Prinzipien der Stammbaum-Entwicklung
        • Einleitung zu Drei Prinzipien der Stammbaum-Entwicklung
        • Molekularbiologie und Stämmbäume
      • Wirbeltierstammbaum
      • Belege der Evolution am Beispiel Huhn
  • Evolution des Menschen
    • Einleitung zu Evolution des Menschen
    • Menschen und Menschenaffen
    • Fossilien belegen die Menschwerdung
      • Einleitung zu Fossilien belegen die Menschwerdung
      • Menschliche Entwicklung
        • Einleitung zu Menschliche Entwicklung
        • Hominidenstammbaum
      • Von der biologischen zur kulturellen Evolution
    • Menschwerdung
    • Zusammenfassung: Evolution des Menschen
      • Einleitung zu Zusammenfassung: Evolution des Menschen
      • Literatur
  • 56
  • 18
  • 220
  • 56